Besuch beim Hoffest auf dem Vierseithof

Am 6. September 2015 fand das alljährliche Hoffest des Heimatvereins auf dem Vierseithof statt. Der Einladung von Frau Boden folgten die Flüchtlinge – nach anfänglichen Verständigungsproblemen – gern. Sie wurden dabei von Franziska Kleemann begleitet, die ihre Eindrücke hier schildert.

Kurz vor 13.00 Uhr: Um eins sollte es losgehen. Ich hatte also Bruder und Freund überzeugt, schon etwas eher dort hinzufahren, obwohl es kalt und ungemütlich war. Ab und an auch mit Nieselregen durchsetzt. Beim Vorbeifahren waren einige Autos vor dem Hof geparkt, im Hof selbst konnte man noch nichts sehen.

13.00 Uhr: Im Heim angekommen – bewaffnet mit einem Info-Flyer zum Fest, den der Pulsnitzer „Dönermann“ ins türkische Kurdisch übersetzt hatte – trafen wir in der Küche auf ein paar Leute. Mit Händen und Füßen (denn die Übersetzung war zwar nett gemeint aber aufgrund unterschiedlicher Dialekte leider überhaupt nicht hilfreich) übermittelte ich , dass das Fest jetzt losgeht und wir jetzt dahin gehen. Mehr oder weniger überzeugt bekam ich die Antwort, dass man das wisse, die englischen Flyer (die HBT hilft extra angefertigt hatte) gelesen und verstanden habe und auch wisse, wo das Fest stattfinde. Wer kommen wolle, würde schon kommen und man könne ja niemanden zwingen… Also ein Elan, der eher dem tristen Wetter als meiner Euphorie entsprach. Kurz darauf hatten sich die meisten Flüchtlinge wieder verkrümelt. Ein Mädchen wollte noch ihre Mutte holen, blieb aber verschollen…
Ok, dachten wir: „nice try“, aber hey! Dann gehen wir eben alleine.

Angekommen im Hof: Ein paar Ältere, wahrscheinlich Mitglieder des Heimatvereins, saßen da und flochten einen Kranz in der Ecke der Scheune. Frau Boden empfing uns sehr herzlich und erzählte uns dann, dass Musik und diverse Aktivitäten auf dem Hof geplant waren, aber aufgrund des schlechten Wetters und der deshalb nicht sehr hohen erwarteten Besucherzahl abgesagt wurden.
Ok, dachten wir – gut, dass im Heim niemand kommen wollte.

Mittagessen: Immerhin gab es Fischsemmeln und Kaffe und Kuchen! Und gerade beim letzten Bissen stehen wie ein Wunder ca. 20 unserer Flüchlinge im Eingang und Frau Boden kommt herein: „Kann mal einer von euch kommen, die sind jetzt alle da!“
Wir freuten uns, dass offensichtlich doch Interesse bei den Heimbewohnern bestand.

Das Fest: Und was nun folgte, war genau das, was wir uns erhofft hatten. Alle, vor allem die vielen Kinder, verteilten sich in Windeseile in alle Himmelsrichtungen in die Gebäude, schauten die alten Exponate an, machten Fotos, erschreckten sich, kichterten, mischten sich unter die Leute. Die albanische Mutter interessierte sich vor allen Dingen für die beiden Schau-Spinnerinnen und ihr Spinnrad! Ob man soetwas noch kaufen könne? „Ja, im Internet“ war die Antwort 🙂 Daraufhin durfte sie es mal versuchen und entpuppte sich als Naturtalent – sie meinte, sie würde zuhause wohl mit der Hand spinnen, wenn ich der Übersetzung trauen darf.
Die Kinder kletterten inzwischen mit großer Freude einen mit Süßigkeiten behangenen Maibaum hinauf und für die Erwachsenen wurde dann doch noch der Grill aufgebaut. Komische Zwischenfälle gab es nicht. Wir wurden im Gegenteil sogar angesprochen, ob es ok wäre Süßigkeiten im Heim abzugeben.
Also: Ein echter Erfolg und ein schönes Herbstfest!

Gegen 15.00 Uhr: Hier endet mein Bericht, denn dann war es meinen Männern doch zu kalt… Danach waren noch Maria und Matthias da und der Nachbar und Blogbetreiber Jan Pötzscher, später auch Pfarrer Fourestier.

Fazit: Ich glaube, dass das Fest ein großer Erfolg war. Die Einladung der Bürgermeisterin und unsere englischen Flyer sowie die persönliche Einladung haben den Flüchtlingen Lust auf das Fest gemacht. Dabei war für den ein oder anderen sicher auch die Aussicht auf Bratwurst und Bier hilfreich. Und noch viel wichtiger: es hat sich gezeigt, dass Anwohner und Flüchtlinge trotz Verständigungsschwierigkeiten gemeinsam Spaß haben können.

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